Rettungsrobotik im Einsatz

Zukunft gestalten mit Erkenntnissen aus Hochwasser und anderen Schadenslagen

Die Welt verändert sich rasant. Digitale Transformation, Industrie 4.0, das Internet of Things und die Cloud sind Begrifflichkeiten, die uns inzwischen täglich begleiten. Die Welt verändert sich jedoch auch in eine negative Richtung. Immer häufiger und in immer kürzeren Abständen wird die Menschheit mit dem Klimawandel und daraus resultierenden Katastrophen konfrontiert. Die Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und in Rheinland-Pfalz hat erneut verdeutlicht, dass das Einsatzspektrum für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben sich enorm vergrößert und verändert hat. Seit Jahren entwickeln Forscher und Anwender innovative Lösungen, die dabei helfen, Einsätze unter den veränderten Bedingungen effizient und vor allem für Einsatzkräfte und Betroffene sicherer zu bewältigen.

Heute schon vorhandene und gut funktionierende Technologien halten jedoch nur langsam und scheibchenweise Einzug bei den Rettungsorganisationen. Mit dieser Vortragsveranstaltung soll ein Beitrag zur Beschleunigung der Einführung und Implementierung von Rettungsrobotik bei den BOS geleistet werden. Experten aus der Forschung, aus der Industrie und dem Kreis der Anwender berichten an Praxisbeispielen über den Stand der Technik und wagen einen Ausblick in die Zukunft.

Vortragsthemen
  • Innovationen in der zivilen Gefahrenabwehr - Transfer und Implementierung verbessern!

    (Dipl.-Ing. Dirk Aschenbrenner, Direktor Feuerwehr Dortmund)

  • Helfende Bodenroboter in der zivilen Gefahrenabwehr

    (Prof. Dr. Oskar von Stryk, TU Darmstadt)

  • Kleine kommerzielle Drohnen in Rettungseinsätzen

    (Prof. Dr.-Ing. Hartmut Surmann, Westfälische Hochschule Gelsenkirchen)

  • Drohnen in der Freiwilligen Feuerwehr - Implementierung und Erfahrungen aus dem Praxiseinsatz

    (Kommandant der Feuerwehr Gremmelsbach)

  • Mit Lagebild-Technologien aus der Forschung in den Einsatz – Vom Wert des Technologietransfers

    (Dr. Julia Gonschorek, DLR)

  • Fernerkundung zur schnellen Lageerfassung im Krisenfall am Beispiel Hochwasser

    (Dr. Konstanze Lechner, ZKI)

  • In situ-Fernerkundung mit Flugrobotern: Wie mir Drohnen die Lage in die Hand geben

    (Dr. Bodo Bernsdorf, Technische Hochschule Georg Agricola)

  • Das Projekt VISION – Die vorausfliegende Drohne

    (Dr. Johanna Holsten, flyXdrive GmbH; Katrin Sommer, IFR Dortmund)

  • NPGEO – Unterstützung in der Hochwasserlage durch Geodaten

    (Ingo Michels & Holger Ziehm, vfdb)

Alle Fakten im Überblick

Alternativ führen wir bei uns vor Ort einen kostenpflichtigen Schnelltest auf freiwilliger Basis durch.

Ihre Referenten:​

Dipl.-Ing. Dirk Aschenbrenner

Direktor der Feuerwehr Dortmund, Leiter des Institutes für Feuerwehr- und Rettungstechnologie, Präsident der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes & Vorsitzender des Deutschen Rettungsrobotik-Zentrum e.V.

Dipl.-Ing. Dirk Aschenbrenner ist Verfechter und Treiber der digitalen Transformation im Bereich der BOS. Als Direktor der Feuerwehr Dortmund, Leiter des Institutes für Feuerwehr- und Rettungstechnologie, Präsident der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes und last but not least als Vorsitzender des Deutschen Rettungsrobotik-Zentrum e.V. hat er stets „das Ohr am Puls der Zeit“ und gilt zurecht als einer der führenden Experten im Brand- und Katastrophenschutz. Sein Vortrag zum Auftakt der Vortragsveranstaltung lautet:

Innovationen in der zivilen Gefahrenabwehr – Transfer und Implementierung verbessern!

Das Einsatzspektrum für Feuerwehren und Rettungsdienste verändert sich rasant. Um hier mithalten zu können, sind vor allem Organisation, Technik und Ausbildung den neuen Herausforderungen rasch anzupassen. Seit Jahren entwickeln Forscher und Anwender innovative Lösungen für die Einsatzpraxis. Deren Einführung und Implementierung verläuft sehr schleppend. Hier besteht dringender Handlungsbedarf zur Beschleunigung!

Prof. Dr. Oskar von Stryk

Informatik-Professor an der TU Darmstadt, Vizepräsident der internationalen RoboCup-Federation, Founding Trustee der Association for the Understanding of Artificial Intelligence & stellvertretender Vorstandsvorsitzender Deutschen Rettungsrobotik-Zentrums e.V.

Prof. Dr. Oskar von Stryk ist Informatik-Professor an der TU Darmstadt, Vizepräsident der internationalen RoboCup-Federation, Founding Trustee der Association for the Understanding of Artificial Intelligence und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des von ihm mitgegründeten Deutschen Rettungsrobotik-Zentrums e.V. Er hat mehr als 200 internationale Fachpublikationen veröffentlicht und mehrere Robotik-Startups wie Energy Robotics und Freemotion Systems mitgegründet. Prof. von Stryk ist als Gutachter für nationale und internationale Forschungsprojekte tätig.

Seine Forschung zu kooperierenden autonomen mobilen Robotern, bio-inspirierten Robotern, Optimierungs- und Steuerungsmethoden wurde in mehr als 30 Projekten durch nationale, Europäische und US-Forschungsagenturen gefördert. Die Forschungsergebnisse wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem ersten Preis des European Robotics Technology Transfer Award, dem Hessischen Kooperationspreis, dem Louis Vuitton Best Humanoid Award, und führten zu Gewinnen vieler internationaler Wettbewerbe für autonome mobile Roboter (u.a. ARGOS Challenge, ENRICH, RoboCup, World Robot Summit). Er wird von Academic Influence unter den 25 weltweit einflussreichsten Informatikerinnen und Informatikern eingeordnet. Oskar von Stryk berichtet über:

Helfende Bodenroboter in der zivilen Gefahrenabwehr

In der Industrie 4.0 sind autonome und teilautonome Bodenroboter mit künstlich intelligenten Fähigkeiten bereits auf dem Vormarsch. Sie entlasten menschliche Arbeitskräfte von gefährlichen, repetitiven und ermüdenden Aufgaben und erhöhen die Effizienz von Arbeitsabläufen. Wann können wir auch in der zivilen Gefahrenabwehr in größerem Umfang mit solcher Unterstützung rechnen und was ist dafür erforderlich?

Prof. Dr.-Ing. Hartmut Surmann

Informatiker, promovierter Elektroingenieur und Professor für Autonome Systeme an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen & dem Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS, bis 6/2018)

Prof. Dr.-Ing. Hartmut Surmann ist Informatiker, promovierter Elektroingenieur und Professor für Autonome Systeme an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen und dem Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS, bis 6/2018). Sein Forschungsinteresse gilt der autonomen mobilen Robotik und der Computational Intelligence. 2009 leitete er das internationale Robotik-Team zur Unterstützung der Feuerwehr nach dem Einsturz des historischen Stadtarchives in Köln, 2016 flog er Drohnenflüge in zwei Kirchen nach dem Erdbeben in Amatrice in Italien. (Quelle: Wikipedia)
Sein Thema in dieser Vortragsveranstaltung:

Kleine kommerzielle Drohnen in Rettungseinsätzen

Kleine Drohnen (< 2kg) sind nicht nur klein, leicht und flexibel, sondern liefern auch gute Bilddaten (> 4k) und sind sehr gut verfügbar. Der Vortrag zeigt was Algorithmen basierend auf den Daten kleiner Drohnen bei Vegetationsbränden, Hochwasserkatastrophen und Industriehallenbränden leisten können. Beispielhaft werden der Vegetationsbrand Viersen 4/2020, der Industriehallenbrand Berlin/Marienfeld 2/2021 und die Hochwasserkatastrophe Erftstadt / Blessem 7/2021 behandelt.

Dr. Konstanze Lechner

Seit 2008 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) für das Zentrum für satellitengestützte Kriseninformation (ZKI).

Dr. Konstanze Lechner studierte Angewandte Umweltwissenschaften an der Universität Trier und promovierte 2008 in Physischer Geographie an der Universität Bonn. Seit 2008 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) für das Zentrum für satellitengestützte Kriseninformation (ZKI). Sie koordiniert nationale und internationale Forschungsprojekte, u.a. im Bereich Fernerkundung und Humanitäre Krisen und ist seit 2018 stellvertretende Leiterin ZKI des DLR. In ihrem Vortrag gibt sie Einblicke in:

Fernerkundung zur schnellen Lageerfassung im Krisenfall am Beispiel Hochwasser

Das Hochwasser in Deutschland im Juli 2021 hat erneut gezeigt, wie wichtig frühzeitige und hochauflösende Informationen für die Einsatzplanung im Krisenfall sind. In den letzten Jahren haben sich dabei Fernerkundungsdaten und deren Produkte als wertvolle Quelle zur Beobachtung von Krisensituationen erwiesen. Sie stellen ein objektives Mittel zur Katastrophenbeurteilung dar und können unabhängig von in-situ Informationen, auch bei Krisen in schwer zugänglichen Gebieten, aufgenommen werden.

Dr. Julia Gonschorek

Leiterin des Helmholtz Innovation Labs OPTSAL am DLR-Institut für Optische Sensorsysteme in Berlin.

Dr. Julia Gonschorek ist Leiterin des Helmholtz Innovation Labs OPTSAL am DLR-Institut für Optische Sensorsysteme in Berlin.

Forschung und Projektleitungen in nationalen wie internationalen Projekten sowie Lehrbeauftragungen an (Polizei-) Hochschulen prägen ihre Laufbahn in der zivilen Sicherheitsforschung. 

In OPTSAL sorgt sie gemeinsam mit Industriepartnern, Anwendern und einem begabten Team aus Ingenieuren und Wissenschaftlern dafür, dass die letzte Meile von Prototypen hin zu Produkten und Diensten ein erfolgreicher ist. Julia Gonschorek spricht über einen Teil ihrer Arbeit:

Mit Lagebild-Technologien aus der Forschung in den Einsatz – Vom Wert des Technologietransfers

Lagebilder, am besten in Echtzeit, sind essenzielle Bausteine zur Bewertung von Schadenslagen und notwendig für die Führungs- und Einsatzunterstützung. Seit Jahren entwickeln wir modulare Kamerasysteme (MACS) für unterschiedliche fliegende Trägersysteme zu genau diesem Zweck. Es reicht aber nicht, dass wir das können. Deshalb haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, die komplexen Technologien gemeinsam mit Unternehmen so auszuentwickeln, dass künftig die neuen Möglichkeiten von BOS effizient im Einsatz verwendet werden.

Dr. rer. nat. Bodo Bernsdorf

Lehrbeauftragter für Geo-Informationssysteme und Räumliche Analyse, Risikomanagement und Geomonitoring an der Technischen Hochschule Georg Agricola, Bochum.

Dr. rer. nat. Bodo Bernsdorf ist Lehrbeauftragter für Geo-Informationssysteme und Räumliche Analyse, Risikomanagement und Geomonitoring an der Technischen Hochschule Georg Agricola, Bochum. Seine Forschungsschwerpunkte sind Satelliten-, Drohnen- und Sensordaten, die Bildverarbeitung und Datenintegration, Bodenkunde und die Sicherheitsforschung. Seit 2016 ist er in seinem Fachgebiet für das Institut der Feuerwehr NRW sowie dem Verband der Feuerwehren NRW tätig. Seit 2021 ist Dr. Bodo Bernsdorf Lehrbeauftragter für Risiko- und Katastrophenmanagement im Studiengang Geodatenmanagement an der Hochschule Karlsruhe.

In situ-Fernerkundung mit Flugrobotern: Wie mir Drohnen die Lage in die Hand geben.

Im Vortrag von Dr. Bernsdorf wird der Fernerkundungsgedanke aufgegriffen. Er geht quasi „in situ“ bis in den Untergrund und demonstriert ungewöhnliche Möglichkeiten der Lagedarstellung. In einem kurzen Abriss wird aufgezeigt, wie man die Bilderfassung über- und Untertage und die daraus resultierenden Bildverarbeitungsergebnisse für die Lagedarstellung nutzen kann. Dazu werden Orthophotos per Drone2Map oder OpenDroneMap produziert und im Prozess der Bildverbandberechnung ein 3D-Modell erstellt. Das Medium für die Darstellung des 3D-Modells ist in diesem Beitrag ebenso überraschend wie weit verbreitet. Bleiben Sie neugierig!

Dr.-Ing. Johanna Holsten

Geschäftsführerin flyXdrive GmbH

Katrin Sommer

wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Feuerwehr Dortmund am Institut für Feuerwehr- und Rettungstechnologie

Dr.-Ing. Johanna Holsten beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem automatisierten Betrieb von unbemannten Flugsystemen für die unterschiedlichsten Anwendungsfälle. Nach ihrem Studium der Luft- und Raumfahrttechnik an der RWT H Aachen war sie mehrere Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Flugsystemdynamik tätig. In dieser Zeit war sie unter anderem für die Entwicklung und Projektdurchführung des DHL Paketkopters 3.0 verantwortlich, eines der ersten unbemannten Flugsysteme das in Deutschland außerhalb der Sichtweite betrieben wurde. Seit 2017 bringt sie ihre Expertise in die flyXdrive GmbH ein, die sie seit 2018 als Geschäftsführerin leitet. Die flyXdrive ist Konsortialführer in dem Forschungsprojekt VISION – Thema des folgenden Vortrages – welches im Oktober 2018 startete und noch bis Ende dieses Jahrs läuft.

Katrin Sommer ist seit 2018 als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Feuerwehr Dortmund am Institut für Feuerwehr- und Rettungstechnologie tätig. Während ihres Geographie-Studiums war sie an dem Forschungsprojekt ORPHEUS beteiligt, welches sich mit der Optimierung der Rauchableitung und Personenführung in U-Bahnhöfen im Brandfall beschäftigte. Am IFR ist sie die Projektverantwortliche für die Durchführung des Forschungsprojekts VISION seitens der Feuerwehr Dortmund.

Projekt Vision – Die vorausfliegende Drohne

In VISION wird ein System realisiert, welches Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben in die Lage versetzt unbemannte Flugsysteme mit einem deutlichen Mehrwert einzusetzen. Fokus liegt hierbei auf der Integration der Systeme in den Luftraum, der vollständigen Automatisierung und einem intelligenten cloudbasierten Datenmanagement. Um dies zu gewährleisten sind die UAS über ein UAS Traffic Managementsystem in den öffentlichen Luftraum integriert.

Thomas Weisser

Abteilungskommandant der Feuerwehr Triberg-Gremmelsbach im Schwarzwald Baar Kreis

Thomas Weisser ist Abteilungskommandant der Feuerwehr Triberg-Gremmelsbach im Schwarzwald Baar Kreis, der Heimat Deutschlands höchster Wasserfälle, die jedes Jahr rund 500.000 internationale Besucher anziehen. Die Feuerwehr Gremmelsbach verfügt in Ihren Reihen inzwischen über diverse Kopter und 10 Einsatzkräfte mit EU-Fernpilotenzeugnis A2.  In seinem Vortrag berichtet Thomas Weisser über:

Drohnen in der FFW – Implementierung und Erfahrungen aus dem Praxiseinsatz

Jedes Jahr fliegen die Kopter-Piloten der Feuerwehr Gremmelsbach bis zu 30 Einsätze bei Unwetterlagen (Sturm- Hochwasser), Verkehrsunfällen, Bränden, Wald- und Vegetationsbränden, Rehkitzrettung, Zugevakuierungen, Vermisstensuche, Rettung und Bergung von verunglückten Wanderern in steilem Gelände usw. Thomas Weisser skizziert den Weg von der Einführung der fliegenden Helfer in die Feuerwehr Gremmelsbach bis zum heutigen Tag und berichtet über Erfahrungen aus dem Übungsdienst und vielen realen Einsätzen.