DRZ-Taskforce im Hochwassereinsatz:
Robotik-Leitwagen und Drohnen unterschützen Rettungsaktion
Die Flutkatastrophe in West- und Mitteleuropa im Juli 2021 war ein Naturereignis mit schweren Sturzfluten in mehreren Einzugsgebieten. Besonders betroffen waren Teile Belgiens, der Niederlande, Österreichs, der Schweiz, Deutschlands sowie weiterer Nachbarländer. Die heftigsten Überschwemmungen wurden durch das Tiefdruckgebiet „Bernd“ verursacht.
Die dramatischen Auswirkungen des Unwetters waren in Westdeutschland besonders spürbar – unter anderem in Erftstadt/Blessem. Aufgrund der Überschwemmungen und der drohenden Gefährdung durch einen möglichen Bruch der Steinbachtalsperre mussten rund 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner mehrerer Ortschaften evakuiert werden.
Die Flüsse Erft und Swist traten über die Ufer und überfluteten weite Teile des Stadtgebiets von Erftstadt. Fernverkehrsstraßen wie die Bundesautobahnen A1 (Eifelautobahn) und A61 sowie die Bundesstraße 265 mussten infolge von Überflutungen und Straßenschäden gesperrt werden.
Im Erftstädter Stadtteil Blessem bahnte sich die Erft einen neuen Weg durch ein Wohn- und Gewerbegebiet und brach in die Kiesgrube des Blessemer Kieswerks ein. Mehrere Häuser wurden unterspült und zerstört, zahlreiche weitere – insbesondere in der Nähe von Schloss Blessem – schwer beschädigt.
Ein umfangreicher Einsatz der Gefahrenabwehr wurde eingeleitet, an dem auch ein Rettungsrobotik-Team des DRZ beteiligt war.
Das Team bestand aus Einsatzkräften und Fachpersonal von:
Feuerwehr Dortmund
Deutsches Rettungsrobotik-Zentrum e.V.
Universität Bonn
Universität zu Lübeck
TU Darmstadt
Westfälische Hochschule Gelsenkirchen
Für einen zweitägigen Einsatz begab sich das Team mit dem RobLW direkt in den hochgefährlichen Bereich nahe Schloss Blessem. Erforderliche Rollen innerhalb des Teams waren:
Teamleitung
UAV-Pilotinnen und -Piloten
IT-Fachkräfte
Live-Luftaufklärung der Abbruchkante
Kontinuierliche Beobachtung der Abbruchkante sowie sofortige Alarmierung bei weiteren Abbrüchen oder Lageveränderungen – insbesondere zur Sicherung der Einsatzkräfte, die in Gebäuden hinter der Abbruchkante nach vermissten Personen suchten.
Erstellung hochauflösender 3D-Modelle
Generierung von 3D-Modellen zur weiteren Einsatzplanung direkt vor Ort – auch ohne Stromversorgung, Internet oder Mobilfunkverbindung.
Detaillierte Inspektion unzugänglicher Strukturen
Untersuchung sämtlicher Gebäude und Bauwerke, die von Einsatzkräften nicht betreten oder erreicht werden konnten – insbesondere vor dem Hintergrund zahlreicher vermisster Personen.
Erstellung einer klaren und zugänglichen Dokumentation
Aufbereitung der gewonnenen Informationen in einer Form, die den Einsatzkräften und dem Führungsstab unmittelbar zur Verfügung gestellt werden konnte.
Da die Umgebung großflächig zerstört war, konnte eine Planung auf Basis vorhandener Informationen nicht erfolgen. Zunächst wurde daher eine Drohne eingesetzt, um Live- und Übersichtsaufnahmen des Einsatzgebiets zu erstellen sowie Ausmaß der Überflutung und Fließrichtung des Wassers zu dokumentieren.
Anschließend wurden systematische Befliegungen (Meanderflüge) mit handelsüblichen UAVs geplant und durchgeführt. Aus den gewonnenen Bilddaten wurde mithilfe von WebODM ein georeferenziertes Orthofoto sowie ein 3D-Punktwolkenmodell erzeugt.
Zusätzlich zu den Meanderflügen wurde durch Einzelaufnahmen ein 360°-Panorama erstellt, um schnellstmöglich einen umfassenden Überblick über die Lage zu erhalten.
Auf Grundlage des Orthofotos und der 3D-Punktwolke wurde eine detaillierte Untersuchung geplant und mit einer DJI-FPV-Drohne durchgeführt. Insbesondere unzugängliche und teilweise zerstörte Gebäude sowie Fahrzeuge wurden inspiziert.
Alle während der Flüge aggregierten Informationen wurden in einer Präsentation zusammengeführt und noch am selben Abend dem Führungsstab vorgestellt.
Aufgrund der zerstörten Infrastruktur (kein Strom, kein Internet) konnte ausschließlich das RobLW zur Datenverarbeitung und Einsatzunterstützung genutzt werden. Kleine, unauffällige 360°-UAV-Systeme befinden sich derzeit in Entwicklung.
Die RTF unterstützt Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) in besonders komplexen Lagen – von Bränden über CBRN-Ereignisse bis hin zu Naturkatastrophen.
Die RTF ist ein kooperatives Modell: