Gefahrgut Einsatz:
Chemiewerk Leverkusen

Nach einem Brand in einem Chemiewerk in Leverkusen wurde in einem beschädigten Großbehälter ein hochexplosives, erschütterungsempfindliches Gas festgestellt. Die Situation erforderte eine sofortige Reak- tion, da ein Zugang für Menschen aufgrund der hohen Gefahr ausgeschlossen war und die Gefahr einer ausgedehnten Explosion bestand. Der Sicherheitsradius wurde auf 200 Meter festgelegt, und die gesamte Produktion des Werks musste gestoppt werden.

Der Lösungsansatz bestand darin, ein Schutzgas in den Behälter einzuleiten, welches die Explosionsgefahr eindämmen sollte. Dazu wofür jedoch ein Ventil manuell geöffnet werden musste.

Einsatzanfrage und Vorbereitung

Am Vormittag des 08.11. erreichte das DRZ die Anfrage, ob und inwieweit das DRZ zur Entschärfung der Situation aktiv werden kann. Im Folgenden wurde in mehreren Telefonkonferenzen die Lage vor Ort im Detail besprochen. Gleichzeitig wurde durch das DRZ das Netzwerk aktiviert und abgestimmt, welche Partner ggf. tätig werden könnten. Einige Partner haben in diesem Verlauf, oder bereits im Vorfeld durch direkte Anfragen, das Hilfegesuchen abgelehnt. Nach Abstimmung und Bewertung der Lage durch das DRZ wurde der Ent- schluss getroffen, dass das DRZ über die Robotik Task Force einen Beitrag zur Entschärfung der Situation leisten kann (und will). Dies erforderte eine Entsendung von Kräften und Material mehrerer Partner, teilweise über Amtshilfeersuchen. Folgende Partner wurden im Tagesverlauf in die Vorbereitungen einbezogen und die Rollen festgelegt:

  • Deutsches Rettungsrobotik-Zentrum V. (DRZ): Fachberatung, Planung und Koordination.
  • Feuerwehr Dortmund: Steuerung der Drohne und logistische Unterstützung, Führung der Task Force
  • Feuerwehr Leverkusen und Werkfeuerwehr: Logistik und Sicherheitsmaßnahmen vor
  • Technische Universität Darmstadt: Steuerung und Anpassung des

Einsatzablauf

Die Beteiligten fanden sich am frühen Morgen am betroffenen Werk ein, in einer ersten Lagebesprechung mit dem Krisenstab des Unternehmens wurden nach einer allg. Lageeinweisung Formalien und das Vorge- hen besprochen. Es wurde festgelegt, dass der Bodenroboter im Tagesverlauf an die Anlage fahren sollte, um das Ventil, dessen Status unbekannt war, zu öffnen. Durch eine Drohne sollte dieser Vorgang beobachtet werden und dadurch eine weitere Live-Perspektive für die Bediener des Bodenroboter bereitgestellt werden. Dieses Vorhaben wurde im Konsens festgelegt und alle Beteiligten im Verlauf kontinuierlich um erneuten Konsens zum Vorhaben gebeten.

1.     Vorbereitung vor Ort:

  • Übergabe eines Haftungsausschlusses und einer Kostenübernahmeerklärung durch das Un- ternehmen
  • Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung für den Einsatz
  • Tests an einer intakten, ähnlichen Anlage, um die Abläufe zu simulieren und eine sichere Vorgehensweise zu entwickeln.
  • Konstruktion einer Vorrichtung, um den Roboterarm für den sicheren Zugriff auf das Ventil zu verlängern.
  • Planung der Ausbringung von Funk-Mesh Knoten zur Reichweitenverlängerung
  • Räumliche Planung der Bedienposition auf einem Hallendach in ca 300Meter Luftlinie ohne Sichtverbindung
  • Abstimmung einer Ablaufplanung
  • Abstimmung von Teamzusammensetzung
  • Planung von Drohnenflügen und Testflüge

2.     Durchführung des Einsatzes:

  • Zunächst wurde der Roboter an seinen Einsatzort verbracht, parallel die Funkknoten ausge- bracht und die Funkverbindung etabliert.
  • Der Bodenroboter „TIM“ wurde aus einer sicheren Entfernung von etwa 300 Metern über ein Treppenhaus in die Nähe des Gefahrenbereichs manövriert.
  • Vom Dach einer Werkshalle aus wurde der Roboter gesteuert, um das Ventil zu öffnen. Wäh- renddessen bestand ständiger Funkkontakt mit dem Krisenstab.
  • Parallel wurde eine Drohne eingesetzt, um den Gasfluss über ein Manometer zu
  • Der Drohnenflug im Innenraum ließ sich auf Grund schlechter Funkverbindung nicht durch- führen. Die Drohneneinheit wurde stattdessen für die Kontrolle eines Durchflussmessgeräts genutzt, auf welchem nach der Öffnung des Ventils einen positiven Gasfluss in die Anlage abgelesen werden sollte.

 

3.     Erfolgreiche Ventilöffnung:

  • Das Ventil wurde sicher geöffnet, und das Schutzgas konnte in den Behälter eingeleitet wer-
  • Die Drohne konnte am Flussmeter einen positiven Fluss des Schutzgas

4.     Einsatzdauer und Abschluss:

  • Nach Abschluss des Einsatzes wurde der Roboter zurückgeführt,
  • Anschließend erfolgte eine umfangreiche Dekontamination des Gerätes. Für weitere Dekon- tamination wurde der Roboter in Schutzfolie einer Dekontamination bei der Feuerwehr Dort- mund zugeführt.
  • Der eigentliche Roboter-Einsatz dauerte etwa 45 Der gesamte Einsatz einschließlich Vorbereitung und Nachbereitung erstreckte sich von 09:00 Uhr bis 19:30 Uhr.

Eindrücke

Robotik Task Force

Unsere Mission

Die RTF unterstützt Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) in besonders komplexen Lagen – von Bränden über CBRN-Ereignisse bis hin zu Naturkatastrophen.